Vor Kurzem habe ich einen Workshop zum Thema Gehaltsverhandlung gegeben, und es hat sich wieder einmal gezeigt: Das ist ein Thema, das viele beschäftigt. Egal ob Berufseinsteiger:in, erfahrene Fachkraft oder Führungskraft, die Frage „Wie verhandle ich mein Gehalt selbstbewusst und fair?“ taucht immer wieder auf.
Daher möchte ich heute ein paar zentrale Impulse aus dem Workshop mit dir teilen. Und natürlich bekommst du auch das Arbeitsblatt, mit dem wir gearbeitet haben.
Warum Gehaltsverhandlungen wichtig sind
Gehaltsverhandlungen sind keine Bittstellung, sie sind ein Geschäftsabschluss auf Augenhöhe. Dein Wert steht dabei nicht zur Verhandlung, nur deine Vergütung. Viele zögern jedoch aus unterschiedlichen Gründen:
- „Ich will nicht egoistisch wirken.“
- „In der aktuellen Wirtschaftslage ist das unrealistisch"
- „Ich bin noch nicht lange genug im Unternehmen.“
- „Ich sollte froh sein, überhaupt diesen Job zu haben.“
Die Statistik zeigt, dass besonders Frauen deutlich seltener verhandeln und wenn, dann zurückhaltender.
Mach dir die langfristige Auswirkung einer Gehaltsverhandlung klar und rechne aus, wie dein Vermögen aussehen würde, wenn du z.B. monatlich 200 € mehr verdienen würdest. Wenn du dieses zusätzliche Einkommen nicht ausgibst, sondern anlegst, hast du nach 10 Jahren bei einem moderaten Zinssatz von 3% ein Vermögen von 27.960,40 € (das kannst du leicht mit einem Zinsen-Rechner im Internet berechnen). Durch den Zinseszins-Effekt können auch moderate Steigerungen sich über die Jahre zu einer erheblichen Einkommenssteigerung summieren.
Schritte zur Vorbereitung deiner Gehaltsverhandlung
Die Vorbereitung eines Verhandlungsgesprächs macht 80 % des Erfolges aus. Sie erfolgt in folgenden Schritten:
1. Selbstwert – Dokumentiere deiner Erfolge
Liste deine Leistungen und Erfolge der letzten Monate auf:
Abgeschlossene Projekte und ihre messbaren Ergebnisse.
Kundenfeedback und Lob von Kolleg:innen oder Vorgesetzten.
Übernommene Verantwortung oder neue Aufgaben.
Weiterbildungen, neue Fähigkeiten, Zertifikate.
Situationen, in denen du das Unternehmen nach vorne gebracht hast (Umsatz gesteigert, Kosten gesenkt, Prozesse verbessert, Team gestärkt).
So musst du vor der Verhandlung nicht verzweifelt dein Gedächtnis durchforsten, sondern hast alles parat.
2. Ermittle deinen Marktwert
Wie bei einer Immobilie würdest du auch dein Gehalt nicht verhandeln, ohne zu wissen, was vergleichbare Positionen kosten. Genauso solltest du deinen Marktwert mit Hilfe von Gehaltsportalen (z.B. Stepstone, Entgeltatlas der Arbeitsagentur, Gehalt.de), Branchentarifwerken, aber auch Gesprächen mit Kolleg:innen und deinem Netzwerk ermitteln. Nutze am besten mehrere Quellen, dann hast du eine Gehaltsspanne, die wiederum abhängig ist von deiner Qualifikation, deiner Erfahrung, deiner Position, der Branche, Unternehmensgröße und Standort.
3. Lege dein Wunschgehalt fest
Bevor du ins Gespräch gehst, leg diese drei Zahlen fest:
Maximalforderung (ambitioniert): Welcher Betrag macht dich richtig glücklich? Welche Zahl fühlt sich für dich stimmig an?
Win-Win-Forderung (Kompromiss): Womit wärst du zufrieden UND es ist realistisch?
Minimalforderung (Schmerzgrenze): Das ist die Zahl, unter der du das Angebot ablehnen würdest, auch wenn es hart ist. Sei hier knallhart ehrlich mit dir selbst. Darunter gehst du nicht!
In der Gehaltsverhandlung kannst du auch nicht-monetäre Leistungen wie flexible Arbeitszeiten, Home-Office-Möglichkeiten, zusätzliche Urlaubstage, betriebliche Altersvorsorge, Firmenwagen, Jobticket oder Weiterbildungen verhandeln. Erstelle für dich eine Prioritätenliste: Was ist dir am wichtigsten? Wenn du klar weißt, was du willst, trittst du ganz anders auf.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Gehaltsverhandlung?
- Das Timing ist mega wichtig. Ein guter Zeitpunkt ist z.B.
- nach erfolgreich abgeschlossenem Projekt,
- im Jahresgespräch (aber rechtzeitig vorher ankündigen!),
- nach Übernahme neuer Verantwortung,
- bei Jobwechsel: Am besten vor dem Vertragsabschluss, danach wird's zäh!
Nutze diese Impulse, um mit Selbstbewusstsein und Klarheit in deine nächste Gehaltsverhandlung zu starten. Gut vorbereitet und mit einem realistischen Plan erhöht sich deine Chance auf ein faires Ergebnis deutlich. Trau dich, deine Leistung sichtbar zu machen, dein Einsatz wird sich langfristig lohnen.
Du verdienst, was Du wert bist.
