Ich habe an einer Umfrage teilgenommen. Es ging um Weinetiketten. Vier Flaschen, vier unterschiedliche Gestaltungen, ein paar gezielte Fragen. Ich hatte innerhalb von Sekunden einen Favoriten und eine klare Abneigung. Ohne Geschmackstest. Ohne Hintergrundwissen. Einfach Bauchgefühl.
Mich hat diese kurze Umfrage länger beschäftigt, als ich erwartet hätte. Nicht wegen des Weins. Sondern wegen der Vorgehensweise dahinter. Denn darin steckt eine Strategie, die sowohl bei der Entwicklung von Geschäfts- aber auch Jobideen entscheidend sein kann.
Was Selbstständige sich bewusst machen sollten
Gründer:innen gehen mit viel Energie an ihre Idee. Sie investieren Herzblut und Zeit. Ihre Begeisterung ist ihr Antrieb, aber sie kann auch blind für die Realität machen. Statt im stillen Kämmerlein an deiner „perfekten“ Idee zu basteln, solltest du den direkten Dialog mit den Nutzer:innen möglichst früh als Realitätscheck suchen. Denn je intensiver du dich mit deiner Idee ist, desto schwerer wird es, sie mit fremden Augen zu sehen. Dann wird viel erklärt, begründet, verteidigt, anstatt zu prüfen, ob das Angebot wirklich so verstanden wird, wie es gedacht ist, ob es einlädt und ob es klar ist.
Ich höre oft: „Das ist sehr wertvoll und braucht eigentlich jede:r“ oder „Wenn die Leute das erst mal verstehen, werden sie es lieben“. Aber entscheidend ist: Löst es ein echtes Problem? Versteht die Zielgruppe den Nutzen? Ist jemand bereit, dafür Zeit, Geld und Energie zu investieren?
Was Angestellte daraus lernen können
Was für Gründer:innen bei der Entwicklung ihrer Geschäftsidee gilt, lässt sich auch auf Menschen übertragen, die angestellt sind und merken, dass ihr Job nicht mehr zu ihnen passt. Auch hier gibt es eine Idee. Nicht immer klar formuliert, oft eher ein inneres Bild: "So möchte ich arbeiten" oder "so nicht mehr", "das interessiert mich" oder "dorthin könnte es für mich gehen".
Diese Job-Ideen entstehen meist im Kopf. Sie werden durchdacht, abgewogen, weitergesponnen, verworfen - mit viel Ernsthaftigkeit, oft aber auch mit dem Druck, endlich die richtige Lösung zu finden. Und genau hier zeigt sich die Parallele zu Gründer:innen:
Deine Job-Idee gewinnt nicht dadurch an Klarheit, dass du sie lange durchdenkst, sondern dass du sie ausprobierst wird. Sie muss sozusagen raus aus dem Kopf. Zum Beispiel im Gespräch mit Menschen, die diesen Job bereits machen oder durch ein kurzes Mitlaufen, ein Probearbeiten, ein Projekt auf Zeit oder durch ehrliche Rückmeldungen, die nicht immer gefallen müssen, aber die dir weiterhelfen. Manchmal reicht schon ein ehrliches Interview, um zu merken: "So habe ich mir das nicht vorgestellt" oder eben "Genau, das ist es".
So wie ein Weinetikett nicht erklärt, sondern wirkt, zeigt sich auch bei beruflichen Ideen erst im Außen, was trägt und was nur in der eigenen Vorstellung funktioniert. Job-Ideen müssen nicht ausgereift sein, um ausprobiert zu werden. Entscheidend ist, dass du früh genug mit der Realität in Kontakt kommst, bevor du dich an ein inneres Bild bindest, das sich später als unrealistisch erweisen könnte.
Der gemeinsame Kern
Ob Job- oder Geschäftsidee: Entwicklung gelingt besser, wenn sie nicht im stillen Kämmerlein bleibt. Der Blick von außen ist kein Risiko, er ist ein Korrektiv und oft der Moment, in dem aus einer vagen Vorstellung etwas Tragfähiges wird.
Die Umfrage ist für mich ein schönes Beispiel dafür, wie kluge Entwicklung aussehen kann und warum diese Haltung weit über Produktgestaltung hinausgeht. Wenn du Lust hast, selbst Teil dieses Prozesses zu sein: Die Umfrage läuft noch. Du unterstützt damit ein spannendes Projekt von machn. Hier der Link zur Umfrage.
Das Team von machn steht übrigens als Akteur auch hinter dem Freiburger Bierle und das ist sehr lecker.
Und falls du gerade beim alkoholfreien Januar bist: Keine Sorge, hinschauen und abstimmen geht auch ganz ohne Schluck im Glas 😉🍷.
Prost!
